Aus dem Archiv der ExtraTip Mediengruppe.
vom 05.02.2010


Wenn das Licht ausgeht

Wie 250 Leuchtstoffröhren zu Sorgenkindern werden

 Von CHRISTINA WOLTERS


Röllshausen. Seine Wut kann Uwe Nilsson nur schwer verbergen. Hinter dem Rölls­häuser liegen eine Vielzahl von Telefonaten, einige unnütze Autofahrten und jede Menge Ärger. Und alles nur wegen seines guten Umweltbewusstseins und elf Paketen voller Leuchtstoffröhren. Sie sind Nilssons Sorgenkinder, die insgesamt 250 Röhren, jede einzelne 60 Zentimeter lang, zweineinhalb breit und nach vier Jahren Dauereinsatz ausgemustert. „Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass die Leuchtstoffröhren Quecksilber enthalten“, erklärt Uwe Nilsson. „Sie sind Sondermüll, der auf keinen Fall in die Restmülltonne gehört.“ Aus diesem Grund wählte Uwe Nilsson den naheliegenden Weg zum Schadstoffmobil nach Ziegenhain. Die Mitarbeiter des Mobils nehmen jede Woche schadstoffhaltigen Sondermüll von den Bürgern entgegen, um ihn entsprechend zu entsorgen. „Als ich meine Leuchtstoffröhren dort abgeben wollte, erklärten mir die Fahrer, dass jeder Bürger pro Besuch nur 25 Stück mitbringen darf“, erzählt Nilsson. „Dafür hätte ich sogar Verständnis gehabt, wenn der Laster voll gewesen wäre. Ich war aber kurz vor Abfahrt des Schadstoffmobils da und es war so gut wie leer.“ Unverrichteter Dinge musste Nilsson wieder zurück nach Röllshausen fahren und lagert die stoßsicher verpackten Röhren seitdem in seiner Garage.

„Fahrer haben korrekt gehandelt“

Der Geschäftsführer des Deponiezweckverbandes Schwalm-Eder, Markus Diehl, bestätigt das Verhalten der Kollegen vom Schadstoffmobil: „Die Fahrer haben korrekt gehandelt. Sie haben die Anweisung, schadstoffhaltigen Müll nur in haushaltsüblichen Mengen anzunehmen. Das sind hier bei uns eben 20 bis 25 Leuchtstoffröhren.“ Wer eine größere Menge zu entsorgen hat, könne das unter anderem beim Recyclinghof in Borken tun.  „Die Entsorgung dort ist allerdings mit Gebühren verbunden“, so Diehl weiter. „Da sich Service-Leistungen wie das Schadstoffmobil über die Abfallgebühren der Haushalte finanzieren, ist eine kostenlose Entsorgung auch nur für private Haushalte mit kleinen Mengen Sondermüll zu bewerkstelligen.“ Für eine korrekte Entsorgung hat Uwe Nilsson – außerhalb seiner üblichen Müllgebühren – aber bereits beim Kauf der Leuchtstoffröhren bezahlt. „Auf dem Kaufbeleg sind pro Röhre schon 15,5 Cent vermerkt. Einen gewissen Prozentsatz bezahlt jeder Käufer von Elektrogeräten wie Computern oder Fernsehern gleich für die Entsorgung.“  Diese „versteckten Entsorgungskosten“ – in Uwe Nilssons Fall sind es 38,75 Euro – kann sich Markus Diehl nicht erklären. „Wir bekommen die jedenfalls nicht“, so der Geschäftsführer des Zweckverbandes. „Von den Müllgebühren finanzieren wir die Entgegennahme des Sondermülls und die Fahrt zum Sammelplatz. Ab dem Sammelplatz ist es dann Sache der herstellenden Betriebe, den Müll richtig zu entsorgen.“

 Noch einmal 62,50 Euro bezahlen

So unkompliziert, wie es der Zweckverband beschreibt,  hat sich Uwe Nilsson die Entsorgung seiner 250 Leuchtsstoffröhren auch vorgestellt. Doch wenn er die Röhren zum Recyclinghof nach Borken bringt, kostet ihn das zusätzliche 25 Cent pro Stück, dass heißt insgesamt 62,50 Euro. Doppelt bezahlen kommt für Nilsson aber nicht in Frage. Zumal er in absehbarer Zeit noch einmal die gleiche Menge an Leuchtstoffröhren entsorgen muss. „Ich kann doch nicht jede Woche nach Ziegenhain fahren und immer 25 Leuchtstoffröhren beim Schadstoffmobil abgeben“, sagt Nilsson kopfschüttelnd und schaut zu dem Stapel von Kartons in seinem Kleintransporter. „Wir müssen wohl andere Wege gehen.“

Extra Info

Wohin mit kaputten Leuchtstoffröhren?

Schwalm-Eder. Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz  verbietet es den Verbrauchern aus Gründen des Umweltschutzes, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren in die Restmülltonne zu werfen.
Die Kommunen haben zur unkomplizierten und kostenlosen Rückgabe der quecksilberhaltigen Leuchtmittel spezielle Annahmestellen eingerichtet.
Zum einen ist die Abgabe im Entsorgungszentrum Schwalm-Eder jeden Donnerstag zwischen 13.30 und 16.30 Uhr auf der Deponie Wabern möglich.
Die zweite Möglichkeit ist eine Abgabe bei der Müllumschlagstation Ziegenhain jeden Dienstag von 13.00 bis 16.00 Uhr.     (chr)



Lesermeinungen zu diesem Artikel

Umweltsünder schrieb am 05.02.2010 um 13:50:55
"Stell sie dem Umweltminister in Berlin vor die Türe. Wer solche Gesetze und Anordnungen erlässt ist auch für sie verantwortlich. Deine Kosten stellst du ihm in Rechnung. Altenativ : Ebe langst in der hessenschau oder defacto . beide sendungend es HR 3"
Umweltsünder schrieb am 05.02.2010 um 13:52:08
"Diese ?versteckten Entsorgungskosten? ? in Uwe Nilssons Fall sind es 38,75 Euro ? kann sich Markus Diehl nicht erklären. Und wie wäre es wenn er nach einer Lösung suchen würde und nicht nur einen unbrauchbaren kommentar abgibt ?"
Umweltsünder schrieb am 05.02.2010 um 13:54:45
"Nimm alle deine Nachbarn und mach ne Kaffeefahrt der etwas anderen Art ! Hilf dir selbst - von den verantwortlichen wirst du allein gelassen. Alternative: Fag doch mal den Umweltstaatssekretär Weinmeister im HMUELV "
(Lesermeinungen sind keine redaktionellen Meinungsäußerungen)

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